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Projekt „Soziale Stadt Frankfurt am Main“ - Jährlicher Bericht: Kommunales „Frankfurter Programm Aktive Nachbarschaft“ Juli 2019 -Juni 2021
S A C H S T A N D : Bericht des Magistrats vom 02.08.2021, B 286 Betreff: Projekt "Soziale Stadt Frankfurt am Main" - Jährlicher Bericht: Kommunales "Frankfurter Programm Aktive Nachbarschaft" Juli 2019 -Juni 2021 Vorgang: l. Beschl. d. Stv.-V. vom 04.06.2020, § 5694 - OA 870/02 OBR 3, l. B 404/19 - 1 Einleitung Gemäß dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 29. August 2002 stellt dieser Bericht Schwerpunkte des Frankfurter Programms - Aktive Nachbarschaft in den Jahren 2019 - 2021 dar. Dabei wird der Zeitraum seit der letzten Berichterstattung abgedeckt. Der Bericht bezieht sich auf die Zeitspanne Juli 2019 bis Juni 2021, die wesentlich durch die Corona-Pandemie und ihre Herausforderungen und die damit einhergehenden gesellschaftlichen Veränderungen und krisenhaften Erfahrungen geprägt war. Hier bedurfte es im Quartiersmanagement vieler Anpassungen und Weiterentwicklungen, die sich auch auf die künftige Arbeit des Frankfurter Programms - Aktive Nachbarschaft auswirken können. Das Motto der aktiven Nachbarschaft "Alle können ihre Stadt gemeinsam gestalten" hatte trotz dieser Veränderungen weiterhin Bestand, auch wenn die Gestaltungsmöglichkeiten in der Pandemie an ihre Grenzen kamen und fast alle vieles nicht mehr konnten. Was wirklich wichtig war und was bleibt, ist die Gemeinschaft der miteinander in Verbindung stehenden Bewohnerinnen und Bewohner. In den bewährten Netzwerken wurde die Krise zum gemeinschaftlichen Problem und ermöglichte dadurch kooperative Hilfen. Der langjährige Einsatz des Frankfurter Programms - Aktive Nachbarschaft für den sozialen Zusammenhalt sowie die Verbesserung der Teilhabemöglichkeiten aller Frankfurterinnen und Frankfurter machte sich in den Quartieren bezahlt und trug durch vielfältige Unterstützungsangebote dazu bei, die belastenden Pandemie-Auswirkungen zumindest abzumildern. Bereits zu Beginn der Pandemie stellte sich heraus, dass anstehende Herausforderungen in Stadtteilen mit Quartiersmanagement (QM) leichter zu bewältigen waren, da auf bereits bestehende Netzwerke und gewachsene, auf Vertrauen basierende Strukturen, etablierte Beziehungen und Kooperationen zurückgegriffen werden konnte. Das Engagement, welches es in vielen Frankfurter Stadtteilen gibt, aber häufig nebeneinander besteht und genutzt wird, erhöht durch die Bündelung und Vernetzung von Angeboten durch ein QM seine Wirksamkeit. Das QM wirkt dabei als Koordinationsstelle, die alle Angebote gleichermaßen berücksichtigt und wichtige Schnittstellen erkennen und Parallelstrukturen zusammenführen kann. Durch die Begegnungs- und Austauschmöglichkeiten, die im Rahmen eines QM gefördert werden, entstehen neue und erweiterte Netzwerke und Entwicklungen, die das Gemeinschaftsgefühl und die Zugehörigkeit im Stadtteil fördern. Im Rahmen des Quartiersmanagements werden die Bewohnerinnen und Bewohner vor Ort gestärkt und engagieren sich für ihre eigenen Bedarfe und Veränderungswünsche. Partizipation und Inklusion als Kernstrategien des Programms ermöglichen eine nachhaltige Integration und die Identifikation mit dem eigenen Lebensumfeld. Um Wirkungen in der Quartiersarbeit zu erzielen, ist es wichtig, mit den Bewohnerinnen und Bewohnern vor Ort gelungene Kooperationen auf Augenhöhe einzugehen. Hier spielt die Haltung der Quartiersmanagerinnen und Quartiersmanager eine große Rolle. Sie haben Vertrauen in die Fähigkeiten der Menschen vor Ort und geben nicht vor in welche Richtung sich Menschen und Quartiere entwickeln sollen. Die Bewohnerinnen und Bewohner bringen ihre Expertise ein, aktiviert durch Resilienz, Stärkung und Empowerment. Möglicherweise auch versteckte bzw. verschüttete Ressourcen, um ihr Leben und ihr Umfeld mit- und neu zu gestalten. Es geht zunächst nicht vordergründig um die Veränderungen von Strukturen, die zu Benachteiligung und mangelnder Teilhabe führen, sondern um die Ermöglichung von Teilhabe und Selbstwirksamkeit in einem geschützten Rahmen. Das QM bildet durch seine Arbeit der Vernetzung und Kooperationsförderung die Strukturen, in denen es für Einzelne und Gruppen möglich wird, sich selbst und andere in Projekten und Begegnungen neu kennenzulernen, Ausdrucks- und Handlungsmöglichkeiten zu erweitern (z.B.: im künstlerischen Bereich) und damit den sozialen Zusammenhalt nicht nur zu sichern, sondern mitzugestalten. Entsprechend gestärkte Bewohnerinnen und Bewohner, die selbst erfahren haben, dass ihre Stimme zählt und sie etwas bewirken können, werden sich zukünftig ihrer gesellschaftlichen Rolle und auch ihrer Mitgestaltungsmöglichkeiten bewusst. Sie können ihre eigenen Interessen und Bedürfnisse äußern, ihre Standpunkte vertreten und eigene Ziele selbstbewusst verfolgen. Dies kann dann in einem weiteren Schritt dazu führen, dass institutionelle Angebote und vorhandene hemmende Strukturen gemeinsam mit den Nutzerinnen und Nutzern in Richtung Teilhabegerechtigkeit modifiziert werden können. Hier besteht die Möglichkeit, die Perspektiven der Träger, der Verwaltung und der Bürgerinnen und Bürger in kleinen Sozialräumen abzugleichen, aufeinander abzustimmen und damit eine für alle gleichermaßen akzeptierte soziale Stadtentwicklung anzustoßen. Es geht dabei um die Integration aller Bürgerinnen und Bürger und das Zusammenwachsen in einer Stadtgesellschaft. Das Frankfurter Programm - Aktive Nachbarschaft bietet den Bewohnerinnen und Bewohnern vor Ort Möglichkeiten der Partizipation, Zugehörigkeit und Inklusion. Beteiligung kann dabei auf verschiedenen Stufen stattfinden und reicht von der Teilnahme an einer Veranstaltung bis hin zur eigenständigen Planung und Umsetzung eines Angebots. Ideen und Veränderungswünsche der Bewohnerinnen und Bewohner werden mit Unterstützung der Quartiersmanagerinnen und Quartiersmanager in Projekten umgesetzt, in denen man mit Gleichgesinnten gemeinsame Ziele verfolgt und Teil einer Gemeinschaft werden kann. Die Teilnahme wird für alle gleichermaßen ermöglicht. Wer mitmachen möchte ist willkommen, unabhängig von Ressourcen, Geschlecht, Alter, kultureller oder religiöser Zugehörigkeit. Integration geschieht so nebenbei in der Lebenswelt der Menschen, wenn sie sich in ihrer Nachbarschaft und Freizeit begegnen, sich über Unterschiedlichkeiten austauschen und in Aushandlungsprozessen Konflikte lösen. Wenn viele mitmachen wollen, gibt es auch viele unterschiedliche Interessen und Bedarfe, die aufeinander abgestimmt werden müssen. Hier sind gegenseitiges Verständnis, die Fähigkeit zum Perspektivwechsel und Kooperations- und Kompromissbereitschaft gefragt. Angesichts einer zunehmenden Komplexität von Konflikten können diese häufig nicht mehr ohne Moderations- und teilweise nicht ohne Mediationsprozesse gelöst werden. Das Quartiersmanagement stellt dafür Ressourcen bereit, lädt zu Konfliktgesprächen, runden Tischen und Zukunftswerkstätten ein, um die Menschen vor Ort zu beteiligen. Mit der Beteiligung der Menschen steigt die Akzeptanz von Veränderungsprozessen. Es kann anstrengend sein, zwischen verschiedenen Perspektiven zu vermitteln und die individuellen Bedürfnisse mit den Bedürfnissen der Gemeinschaft abzugleichen und in Balance zu bringen. Aber diese Prozesse lohnen sich, wenn der Preis ein friedliches Zusammenleben ist. Aus Konfliktparteien können durch begleitete Begegnungen und daraus wachsendes gemeinsames Engagement unerwartete Beziehungen und tragfähige Bindungen in der Nachbarschaft entstehen. Konflikte bieten dabei immer wieder die Chance, Entwicklungen im Stadtteil in den Blick zu nehmen und gemeinsam positiv zu gestalten. Diese Chancen gilt es zu nutzen. 2 Quartiere und aktuelle Entwicklungen Quartiere Im Berichtszeitraum wurden durch das Frankfurter Programm insgesamt 19 Quartiere betreut. Darunter befinden sich 15 Gebiete, die durch ein professionelles Quartiersmanagement gefördert werden, das von Trägern der freien Wohlfahrtspflege im Auftrag des Magistrats durchgeführt wird. Zudem wurden vier weitere Sozialräume, die Gebiete New Atterberry/New Betts, der Merianplatz, Bonames und das Stadtteilbüro Bockenheim im Rahmen des sogenannten "modularen Unterstützungsmanagements" unterstützt. Hier geht es darum, trotz fehlenden Quartiersmanagements, einen Partner im Stadtteil zu finden, der der Bewohnerschaft als Ansprechpartner zur Verfügung steht und Bindeglied zum Fachteam des Frankfurter Programms - Aktive Nachbarschaft in der Verwaltung ist. So konnten in den oben genannten Sozialräumen einzelne Projekte zentral durch das Fachteam des Frankfurter Programms im Jugend- und Sozialamt in Kooperation mit Akteuren vor Ort initiiert und finanziert werden. Die Programmgebiete 2019/ 2020/ 2021 in der Übersicht: Quartiere mit Quartiersmanagement: - Atzelbergsiedlung (Seckbach) - Fechenheim - Gallus - Ginnheim - Griesheim - Gutleut - Heilmann-, Bernadottestr, Kleines Zentrum, Gerhardt-Hauptmannring (NW-Stadt) - Heinrich-Lübke-Siedlung (Praunheim) - Hermann-Brill-Siedlung/Sindlingen-Nord (Sindlingen) - Im Mainfeld und Lyoner Viertel (Niederrad) - Karl-Kirchner-Siedlung und Teile Preungesheims (Preungesheim) - Riederwald - Rödelheim-West - Siedlung Engelsruhe und Sieringstraße (Unterliederbach) - Zeilsheim Quartiere mit "modularem Unterstützungsmanagement" (Einzelprojektförderung ohne Quartiersmanagement): - New Atterberry/New Betts - Nordend: Merianplatz - Stadtteilbüro Bockenheim - Bonames Aufgabe des Teams Aktive Nachbarschaft und Projekte im Jugend- und Sozialamt ist die finanzielle und konzeptionelle Gesamtsteuerung des Frankfurter Programms - Aktive Nachbarschaft. Das beinhaltet die ämter- und ressortübergreifende Koordination des Programms, die Initiierung und Durchführung von quartiersübergreifenden Projekten, die quartiersübergreifende Öffentlichkeitsarbeit, die direkte Betreuung der Quartiere des modularen Unterstützungsmanagements sowie die Förderung komplementärer Projekte. Dazu zählt auch die Unterstützung bei der für die Umsetzung des Programms wesentlichen Einbeziehung externer Akteure wie Wohnungsgesellschaften, sozialer Einrichtungen, Institutionen, Kirchengemeinden und Vereine. Eine Übersicht über aktuelle Entwicklungen in den betreuten Quartieren sowie Kurzdarstellungen der Programmgebiete bieten neben diesem Bericht regelmäßig die Jahresberichte der Quartiersmanagerinnen und -manager, die über das Fachteam Aktive Nachbarschaft erhältlich sind. Auf der Webseite www.frankfurt-sozialestadt.de wird über die Arbeit in den Quartieren und die Projekte aktuell informiert. In den größten Teil des Berichtszeitrahmens fällt die Corona-Pandemie, deren Auswirkungen auf die Quartiere aus diesem Grund im Folgenden einen Schwerpunkt bilden werden. Aktuelle Entwicklungen Angesichts der mit der Pandemie verbundenen Kontakt- und Versammlungsverbote und dem Schließen vieler Einrichtungen und Institutionen zeigte sich auch in den Quartieren des Frankfurter Programms - Aktive Nachbarschaft zunächst ein Dilemma. Denn die Basis des QM, persönliche Begegnungen in Gruppen, Stadtteilkreisen, bei gemeinsamen Veranstaltungen und in Projekten, gegenseitige Unterstützung und Austausch, war nicht mehr ohne weiteres möglich und in üblicher Weise umsetzbar. Es mussten schnell neue Wege gefunden werden. Um die ungewohnten Herausforderungen zu stemmen, galt es für die Quartiersmanagerinnen und Quartiersmanager zunächst alle Netzwerke zu aktivieren, die Zusammenarbeit zu verstärken und gleichzeitig auf Distanz zu den Bewohnerinnen und Bewohnern zu gehen, um die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten und die Ausbreitung des Virus zumindest zu verringern. Was zunächst als ein Ding der Unmöglichkeit erschien, bot schnell die Chance Kreativität, Gestaltungsmöglichkeiten und Ideenreichtum der Akteure und Quartiersmanagerinnen und -manager vor Ort zu entfalten. Aufgrund der zeitweisen Lockdowns mussten geplante Projekte verschoben, immer wieder neu den aktuellen Bestimmungen angepasst oder sogar abgesagt werden. Die Anpassung und Neuausrichtung von Maßnahmen erforderten einen hohen Zeitaufwand, Phantasie und gute Nerven auf allen Seiten. Im Folgenden werden Maßnahmen des Fachteams Aktive Nachbarschaft zur Abmilderung der Pandemieauswirkungen sowie verschiedene Quartiersprojekte exemplarisch dargestellt. 2.1 Maßnahmen der Fachstelle Aktive Nachbarschaft Zusammenschluss von Hilfenetzen - Beratung über Sozialrathäuser und besondere Dienste: Bereits zu Beginn des ersten Lockdowns bildeten sich neben den bereits bestehenden Hilfenetzen in den Quartieren viele private Initiativen, um Einkaufshilfen, Botengänge zu Ärzten und Apotheken, telefonische Ansprache und Kontaktaufnahme, Vorlesen am Telefon und das Ausführen von Hunden für ältere Menschen und Risikogruppen zu organisieren. Damit sollte sichergestellt werden, dass kein Mensch, der Hilfe brauchte und nicht über entsprechende (familiäre) Unterstützungssysteme verfügte, ohne Versorgung blieb. Die Fachstelle Aktive Nachbarschaft hat in Kooperation mit den Sozialrathäusern und besonderen Diensten, die durchgehend telefonisch und per E-Mail erreichbar waren, und den Sozialbezirksvorsteherinnen und Sozialbezirksvorstehern Informationen über Unterstützungsmöglichkeiten aus den Stadtteilen zusammengestellt und abgestimmt (z. B. Hilfenetz der Caritas, Quartiersmanagement des Frankfurter Programms - Aktive Nachbarschaft, Einkaufshilfe der Diakonie und des DRK sowie neue Hilfsangebote, die im Zuge der Corona-Krise in den Stadtteilen und stadtweit entstanden oder erweitert worden sind). Hilfebedarfe, die im Sozialrathaus eingingen, wurden je nach Wohnort den entsprechenden Hilfsangeboten vor Ort zugeordnet, da nicht alle Hilfsangebote auch in allen Stadtteilen vorgehalten wurden. So konnte die Vermittlung von wohnortnahen Hilfsangeboten sichergestellt werden. Gesteigerter Bedarf an Sozialberatung Aufgrund der Pandemie und ihrer Auswirkungen ist die Nachfrage nach Sozialberatung in den Stadtteilen stark gestiegen. Das lag einerseits daran, dass mehr Menschen von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit betroffen und zusätzlich zu den Menschen in prekären Lebenslagen auf finanzielle Hilfeleistungen angewiesen waren. Gleichzeitig konnten viele Beratungsstellen nur noch eingeschränkt Hilfe anbieten. Gerade ehrenamtliche Beraterinnen und Berater gehörten aufgrund ihres Alters zu den besonders Gefährdeten und mussten persönliche Kontakte beschränken. Für Menschen, denen das Ausfüllen von Anträgen oder das Verstehen eines offiziellen Briefes schwerfällt, reicht eine Beratung per Telefon oder E-Mail in der Regel nicht aus. Häufig haben sie zudem weder E-Mailadresse noch Internetzugang und beispielsweise aufgrund von Sprachschwierigkeiten auch Verständnisprobleme bei Telefonaten. Da die Älteren nicht wie gewohnt helfen konnten, mussten Jüngere einspringen. Durch ein Kooperationsprojekt mit der UAS Frankfurt konnte schnelle Abhilfe geschaffen werden. Seit Januar 2021 sind 28 Studierende in den 15 Quartieren der Aktiven Nachbarschaft unterwegs. Sie unterstützen vor Ort bereits bestehende Beratungsangebote in Präsenz oder schaffen neue. Durch ihr Studium der Sozialen Arbeit und praktische Erfahrungen in der Sozialberatung sind sie entsprechend qualifiziert. Jeweils zwei Studierende werden für acht Stunden pro Woche und Quartier beschäftigt. So können beiden Seiten profitieren: Zum einen können die Quartiersbüros mehr offene Beratungsstunden anbieten. Zum anderen sammeln die Studierenden Beratungserfahrung und verdienen sich etwas hinzu; für die, die Corona bedingt gerade keinen Nebenjob haben, eine gute Lösung. Häufige Beratungsthemen sind Anmeldungen für Kita- oder Hort-Plätze (über das "Kindernet Frankfurt"), Hilfe bei der Jobsuche (Bewerbungsunterlagen und Anschreiben), Anträge für "Frankfurt-Pässe" und Behindertenausweise, Fragen zu Asylanträgen, zur Arbeitserlaubnis, zur Einbürgerung, zur Wohnungssuche oder zur Bewerbungen für eine Sozialwohnung, zum Bildungs- und Teilhabepaket (Schülerbeförderung, Nachhilfe, Sportangebote), zu Renten- und Versicherungsfragen, zu Schulden und Kreditverträgen sowie zu persönlichen Problemen. Diese generationsübergreifende Sozialberatung in den Quartieren des Frankfurter Programms - Aktive Nachbarschaft soll noch bis Ende des Jahres 2021 fortgeführt werden. Unterstützung bei der Digitalisierung Da viele der Angebote aufgrund von Abstands- und Hygieneregelungen nicht in gewohnter Weise stattfinden konnten, spielte die Digitalisierung eine große Rolle - Veranstaltungen, Stadtteilarbeitskreise und Projekte konnten zeitweise nur im digitalen Raum stattfinden. Da stellte sich schnell die Frage der digitalen Teilhabe im Quartier. Auf der einen Seite die Versorgung mit der entsprechenden Hardware (Leihgeräte, Spenden, Förderung durch die Crespo-Foundation), um an digitalen Projekten und Veranstaltungen teilnehmen zu können sowie die Umwandlung von ursprünglich in Präsenz geplanten nun in digitaler Form stattfindenden Projekte, aber auch die Unterstützung zum Erwerb von Medienkompetenz, um digitale Zugänge überhaupt nutzen zu können. Über das Frankfurter Programm - Aktive Nachbarschaft wurden pro Quartier kurzfristig zusätzliche Mittel in Höhe von 2.500,- € zur Verfügung gestellt, um die Quartiere in dieser Zeit schnellst möglichst zeitgemäß auszustatten. Die Mittel wurden einerseits in Geräte investiert, die von Bewohnerinnen und Bewohnern, Ehrenamtlichen und Akteuren im Stadtteil ausgeliehen und genutzt werden konnten. Dies galt sowohl für die Nutzung durch Einzelpersonen als auch für Gruppen von Ehrenamtlichen, um deren Angebote im Onlineformat aufrechtzuerhalten. Ein Teil der Mittel für digitale Ausstattung wurde darüber hinaus für die übrige angemessene Ausstattung der Nachbarschaftsbüros eingesetzt, etwa um Hardware für Konferenzschaltungen für Vernetzungstreffen anzuschaffen. Am Beispiel verschiedener Quartiere wird unter 2.2. dargestellt, wie durch pragmatische Hilfen und innovative Projekte die digitale Teilhabe sichergestellt werden kann. Gesundheitsförderung im Quartier - Kooperationsprojekt "Gut geht's" Im Laufe der Pandemie wurde deutlich, dass auch die gesundheitliche Teilhabe der Bewohnerinnen und Bewohner je nach Wohnort und persönlicher Situation sehr unterschiedlich ist. Studien weisen darauf hin, dass sich gerade Kinder und Jugendliche in der Corona-Pandemie weniger bewegt und mehr Zeit vor den Bildschirmen verbracht haben. Mangelnde Bewegung kann sich auf Kondition, Koordination und Kraft auswirken und konnte durch den Ausfall von Vereins- und Schulsport nicht kompensiert werden. Um Bewegung und gesunde Ernährung in den Quartieren zu fördern, wurde eine Kooperation mit dem Gesundheitsamt im Rahmen des Projekts "Gut geht's" entwickelt. Quartiersmanagerinnen und Quartiersmanager wurden zu Bedarfen und Angeboten befragt und bei Bewegungsprojekten unterstützt. Workshops und Arbeitsgruppen zum Thema "Gesundheitsförderung im Quartier" und "Bewegungsförderung im Quartier" fanden bereits statt und sind weiterhin geplant. Bedarfe für Angebote wurden hauptsächlich in folgenden Themenfeldern gesehen: Bewegung/Fitness/Sport, gesunde Ernährung, Gesundheitsbildungsangebote, Beratungs- und Präventionsangebote zu Themen wie psychische Gesundheit, Gesundheit im Alter, Infektionsschutz/Impfen, Gestaltung/Grünflächen/Wohnumfeld, Umgang mit Depressionen, Beratung in Krisensituationen. Zudem zeigen sich weitere Handlungsfelder im Bereich der Umweltgerechtigkeit, die sich auf Belastungen und Defizite beziehen, wie Verkehrslärm, Luftverschmutzung, beengte Wohnverhältnisse oder mangelnde Barrierefreiheit im Wohnumfeld, mit denen die Bewohnerinnen und Bewohner konfrontiert sind. In den Quartieren gibt es bereits einige gute Beispiele in den Bereichen Bewegungsförderung und gesunde Ernährung/ gesundes Kochen. 2.2 Quartiersmanagement in Zeiten von Covid-19 Im Folgenden werden ausgewählte Projekte aus den Quartieren vorgestellt, die sich im Rahmen der Pandemie entsprechend angepasst oder neu entwickelt haben. Digitale Teilhabe im Quartier Aufgrund der Corona-Pandemie im Jahr 2020 kamen praktisch alle Aktionen und Projekte, die regulär in Präsenz stattfinden, kurzfristig zum Stillstand. Wie auch in vielen anderen Arbeitsgebieten stellte sich schnell die Frage nach dem Einsatz von digitalen Arbeitsmitteln und Formaten. Die Akzeptanz von digitalen Angeboten war in den Quartieren sehr unterschiedlich ausgeprägt, sicherlich auch abhängig von den bereits vorhandenen Erfahrungen und Kompetenzen der Bewohnerinnen und Bewohner, der aktiven Ehrenamtlichen und auch institutionellen Akteure. Einige sehnten sich nach den Erfahrungen im Lockdown nach analogen Treffen und wollten sich nur ungern auf alternative Formate einlassen, zumindest bei bereits langfristig etablierten Angeboten. Teilweise musste von den Quartiersmanagerinnen und Quartiersmanagern viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, damit sich die Beteiligten langsam an das Thema herantasteten. Vernetzungsstrukturen wie etwa Bewohnertreffs und Stadtteilarbeitskreise wurden mit Unterstützung des Quartiersmanagements nach und nach als digitale Treffen angeboten. Gleichzeitig sahen sich die Quartiersmanagerinnen und Quartiersmanager coronabedingt einer Vielzahl von Fragestellungen und Bedarfen aus der Bewohnerschaft zu digitalen Zugängen gegenübergestellt. Homeschooling, Kontakt mit Behörden über Onlineportale und kontaktloser Austausch in der Nachbarschaft erforderten Medienkompetenz und technische Möglichkeiten. Natürlich waren hier einzelne Nutzergruppen besonders im Nachteil, etwa Seniorinnen und Senioren, Kinder aus bildungsfernen Haushalten oder Menschen mit Migrationshintergrund und sprachlichen Defiziten. Aber auch bei den "digital natives" ergab sich unvorhergesehener Beratungsbedarf, etwa beim Einrichten einer eigenen E-Mailadresse. Hier war der Umgang mit dem Handy häufig wesentlich sicherer als die anwendungsbezogene Nutzung eines PCs. Ganz pragmatisch wurden in Quartieren wie Sindlingen und Preungesheim über Wochen Unterstützungsangebote wie die "Ausdruckhilfe" gemacht. Viele Bewohnerinnen und Bewohner konnten schlicht die online eingestellten Formulare von Behörden oder ihre eigenen Bewerbungen aufgrund fehlender Hardware nicht ausdrucken. Copyshops, Beratungsstellen oder private Kontakte waren aufgrund von Corona nicht wie gewohnt verfügbar. Das Quartiersmanagement schloss hier mit einfachen Maßnahmen Lücken, die für die Betroffenen eine enorme Belastung darstellten. Schnell wurde deutlich, dass für die neuen Arbeitsformen im Quartiersmanagement eine erweiterte Ausstattung an Hard- und Software notwendig war, um den Herausforderungen gerecht zu werden. Hier konnte durch zusätzliche Mittel durch die Fachstelle schnelle Abhilfe geschaffen werden. In einigen Quartieren, z. B. Gutleut und Riederwald, wurden zusätzliche Technikspenden gesammelt und ebenfalls Bewohnerinnen und Bewohnern sowie den im Stadtteil Aktiven zur Verfügung gestellt. Im Nachbarschaftsbüro Gutleutviertel konnte hier eine gewinnbringende Verknüpfung mit dem bestehenden Repaircafé hergestellt werden. Funktionstüchtige aber ausrangierte Laptops und Tablets wurden für Kinder in einer Unterkunft für geflüchtete Menschen gesammelt, aufbereitet und verteilt. Die konkrete Arbeit des Quartiersmanagements im Bereich der digitalen Teilhabe kann hier kurz am Beispiel des Quartiersmanagements Preungesheim verdeutlicht werden: Seit Beginn des ersten Lockdowns im März 2020 konnte das Quartiersmanagement Preungesheim eine erhebliche Anzahl von Präsenzangeboten zeitnah auf Online- und Hybridangebote umstellen. Durch die Flexibilität und Kenntnisse des Quartiersmanagements wurden Angebote wie der Bürgerinnen- und Frühstückstreff, die Berufsberatung des Orientierungsmobils, der Leseclub für Kids oder Yoga als Bewegungsangebot online aufrechterhalten. Daneben wurden insbesondere für Kinder- und Jugendliche Beschäftigungsangebote und Ferienworkshops konzipiert, etwa das "Indoor-Gaming" mit verschiedenen Challenges für zu Hause, ein Online-Workshop zum Thema Plakatgestaltung oder der im Hybridformat durchgeführte Gestaltungsworkshop zur Neubemalung des Rollschuhfeldes "Rolli". Die Formularhilfe unterstützte Menschen ganz praktisch bei der Nutzung von Onlineformularen und Zugängen, richtete E-Mailadressen ein und half bei der digitalen Kommunikation. Ungezählt sind die diversen Netzwerktreffen der Stadtteilakteure per Videokonferenzen, die sich mit Unterstützung des Quartiersmanagements abstimmten und so zur Bewältigung der Pandemie bestmöglich beitrugen. Einen besonderen Stellenwert nimmt aber das nachfolgend beschriebene Projekt für benachteiligte Schülerinnen und Schüler ein: Generationsübergreifendes Online-Mentoring Das Online-Mentoring für benachteiligte Schülerinnen und Schüler startete im September 2020 im Stadtteil Preungesheim. Ziel des Projekts war der Aufbau eines niedrigschwelligen digitalen Lernangebots, an dem Schülerinnen und Schüler ab 10 Jahren ohne eigene digitalen Zugänge teilnehmen konnten. Im Rahmen von Lerntandems mit ehrenamtlichen Mentorinnen und Mentoren sollten diese einmal pro Woche Unterstützung beim Lernen bekommen. Zur Umsetzung des Online-Mentorings wurde zunächst eine Bedarfsermittlung im Stadtteil vorgenommen. Anschließend konnte das Quartiersmanagement Kooperationspartnerinnen und -partner für das Projekt gewinnen, hierzu zählten das Paritätische Bildungswerk Bundesverband e. V., die Projektkoordination JoSch des Diakonischen Werks Offenbach-Dreieich-Rodgau, die Carlo-Mierendorff-Schule sowie die Jugendhilfe in der Schule Kubi e.V. Das Projekt wurde zusätzlich durch eine Spende der Crespo Foundation finanziell unterstützt. Parallel fand die Akquise und Schulung von ehrenamtlichen Mentorinnen und Mentoren, die Konzeptentwicklung sowie die Anmeldung von Schülerinnen und Schülern der entsprechenden Zielgruppe statt. Die Betreuung der Tandems erfolgte durch das Quartiersmanagement sowie das JoSch-Projekt und den Kubi e. V. Die pädagogische Leitung übernahm die Carlo-Mierendorff-Schule. Alle 14 Tage erfolgte ein Online-Meeting der Ehrenamtlichen. Während der Projektlaufzeit zeigte sich, dass die Mentees große Lücken in Bezug auf grundlegende Computerkenntnisse hatten (z. B. das Einrichten einer eigenen E-Mailadresse, Tastaturkenntnisse sowie der Umgang mit Textverarbeitungsprogrammen und Videokonferenzen). Gemeinsam gelang es die Anfangsschwierigkeiten zu bewältigen. Durch das Projekt wurde ein Bildungsangebot geschaffen, mithilfe dessen die schulischen Defizite von Schülerinnen und Schülern aus benachteiligten Familien, die als Folge der schulischen Pandemie-Maßnahmen entstanden sind, verringert werden konnten. Darüber hinaus konnten eine generationsübergreifende Zusammenarbeit und der daraus entstehende Austausch gefördert werden. Die Laptops, die im Rahmen des Online-Mentorings zur Verfügung gestellt wurden, durften die Schülerinnen und Schüler, nach erfolgreicher Teilnahme, behalten. Insgesamt konnten dreizehn Tandems angeboten werden, die bis zum Ende der Projektlaufzeit Ende November 2020 erfolgreich zusammenarbeiteten. Für das Jahr 2021 ist geplant, ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren an die Jugendhilfe in der Schule Kubi e. V. zu vermitteln, die die Schülerinnen und Schüler in den Integrationsklassen unterstützen können. Während der Öffnung der Schulen besteht zudem die Möglichkeit, eine Tandem-Lernsituation in Präsenz zu schaffen. Projekte im öffentlichen Raum Die Pandemie hat dazu geführt, dass viele Projekte, damit sie überhaupt stattfinden konnten, nach draußen an die frische Luft verlegt wurden. Treffen in Räumen waren entweder überhaupt nicht mehr möglich oder nur unter strengen Auflagen und führten dann dazu, dass viele sich doch im Außenbereich wesentlich sicherer als drinnen fühlten. In der Regel sind fehlende Begegnungsräume in der Quartiersarbeit ein Thema und die Suche danach nimmt viel Zeit in Anspruch. Das hat mit dem Bedürfnis der Menschen zu tun, sich in geschützter Atmosphäre zu treffen. Durch die Verlagerung von Angeboten nach draußen wurden die Angebote sichtbarer und auch niedrigschwelliger für alle zugängig. Gerade Menschen, die sich sonst nicht tagsüber in ihrem Wohnbereich aufhalten, konnten Angebote in den Quartieren erleben. In den Quartieren wurden ab Frühjahr 2020 gute Erfahrungen damit gemacht, kleine kulturelle Veranstaltungen dezentral im Freien durchzuführen. Die Aktionen wurden vom Quartiersmanagement ausschließlich im direkten Umfeld beworben. Strickweg - Wir stricken und häkeln das Gallus bunt (Gallus) Als besonders gelungenes Projekt, das analog alle Pandemiebeschränkungen spielend überwunden hat und gleichzeitig eine große Resonanz im Stadtteil erzeugte, kann der Strickweg im Gallus gesehen werden. Hier wurde allen Bewohnerinnen und Bewohnern und verschiedenen Einrichtungen die Möglichkeit zur Teilhabe gegeben, indem sie sich durch individuelle Handarbeitstätigkeiten an dem Projekt beteiligten konnten. Die Einladung zur Teilnahme an der Aktion erfolgte über die Presse, die Stadtteilzeitung sowie einzelne Einrichtungen und gezielte Ansprachen durch die Quartiersmanagerinnen und -manager. Es gelang viele verschiedene Menschen, die auch teilweise bisher noch keinen Kontakt zum Quartiersmanagement hatten, für die Aktion zu begeistern. Teilgenommen haben unter anderem neben zahlreichen Bewohnerinnen und Bewohnern des Stadtteils, das Mehrgenerationenhaus, der Sozialdienst katholischer Frauen, die Begegnungsstätte des Frankfurter Verbands in der Frankenallee, die GFFB und die Jugend-Kultur-Werkstatt Falkenheim Gallus e. V. Gestrickt und gehäkelt werden konnte zu Pandemiezeiten gefahrlos zu Hause. Ziel war die gemeinsame Verschönerung des Stadtteils, die Verbesserung der Aufenthaltsqualität und in erster Linie die Vernetzung zwischen Bewohnerinnen und Bewohnern sowie weiteren Akteuren des Bereichs zwischen dem Europaviertel und dem "alten" Gallus. Die Entwürfe und Ideen wurden durch das Quartiersmanagement mit den Teilnehmenden abgestimmt. Die Materialien, die im Rahmen von Spenden gesammelt werden konnten, standen im Stadtteilbüro kostenlos bereit. Unter anderem wurden Zäune, Poller, Laternen, Bänke und Handläufe auf der Frankenallee umstrickt. Im Vorfeld der Aktion wurden Musterstücke gestrickt und gehäkelt und an verschiedenen Orten im Gallusviertel zur Anregung ausgestellt. Als Maskottchen und als Motiv der Werbekampagne des Projekts diente eine gestrickte Galluswarte. In einer Entspannungsphase der Pandemie konnte der Strickweg sogar mit den entsprechenden Hygiene- und Abstandsregeln gemeinsam festlich eröffnet werden. Das Schöne war jedoch, dass er jederzeit auch alleine auf Spaziergängen besichtigt werden konnte und damit die gemeinsame Arbeit der vielen Beteiligten für alle im Stadtteil sichtbar wurde. Praunheimer Balkon- und Hofkultur In Praunheim boten Bewohnerinnen und Bewohner des Siedlungsgebiets unter dem Motto "Praunheimer Balkon- und Hofkultur" für jeweils etwa fünfzehn Minuten kulturelle Darbietungen jeglicher Art an. Hierzu gehören etwa Lesungen, akrobatische Kunststücke oder musikalische Beiträge. Als "Bühne" diente dabei die eigene Straße, der Hinterhof oder der Vorgarten, die "Zuschauerränge" waren Fenster, Balkone und Türschwellen der angrenzenden Nachbarschaft. Besonderer Beliebtheit erfreute sich in der Heinrich-Lübke-Siedlung ein dudelsackspielender Bewohner, der in den Innenhöfen seine Nachbarinnen und Nachbarn mit Musik unterhielt. Konzerte vom Balkon/Unter dem Balkon (Fechenheim) Besonders die Alten- und Pflegeeinrichtungen waren im Jahr 2020 von der Corona-Pandemie betroffen. Im Rahmen der kulturellen Förderung organisierte das Quartiersmanagement Fechenheim in Kooperation mit dem Heinrich-Schleich-Haus und dem Begegnungs- und Servicezentrum Fechenheim Konzerte für das Seniorenheim. Insgesamt konnten fünf Konzerte sowie Lesungen von Musikerinnen und Musikern aus Fechenheim im Eingangsbereich des Heims stattfinden, die durch die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses von ihren Balkonen aus verfolgt werden konnten. Das Angebot stieß auf regen Zuspruch und konnte ein gemeinsames Erlebnis mit ausreichendem Abstand ermöglichen. Papierfliegerfest in Zeilsheim Als Alternative zum Tag der Nachbarn wurde in Zeilsheim ein Papierfliegerfest veranstaltet. Die Idee war, dass man mit der Nachbarschaft auch vom Balkon und an den Fenstern gemeinsam feiern kann. Als Kooperationspartner des QM konnten das Jugendbüro Zeilsheim sowie die ESB Adolf-Reichwein-Schule gewonnen werden, die gemeinsam die Idee einer Musikwunsch-Disko sowie den Papierflieger-Wettbewerb umsetzten. Bastelanleitungen für Papierflieger gab es im Vorfeld für alle interessierten Zeilsheimerinnen und Zeilsheimer. Diese wurden im Stadtteil zusammen mit Flyern und Hygieneregeln in Briefkästen verteilt und an verschiedenen Orten ausgelegt. Am Veranstaltungstag wurden von Schülerinnen und Schülern selbstproduzierte Titel und Musikwünsche aus der Bewohnerschaft gespielt. Die Musik lockte schnell Anwohnerinnen und Anwohner auf den Balkon und nach draußen. Insbesondere junge Teilnehmerinnen und Teilnehmer ließen ihre Papierflugzeuge schweben und wurden für die Teilnahme belohnt. Das Quartiersmanagement verteilte Tüten mit Süßigkeiten an alle beteiligten an Fenstern und auf Balkonen und an die, die mit Abstand auf der Wiese mitmachten. Ältere Bewohnerinnen und Bewohner hatten fast genauso viel Spaß beim Zusehen und feuerten die Kinder an. Viele Nachbarinnen und Nachbarn sangen und tanzten mit Abstand. So gab es auch im Corona-Jahr 2020 in Zeilsheim einige "Glücksgefühle auf Distanz". Osterferien-Rallye in Praunheim In den Osterferien organisiere das Quartiersmanagement Praunheim gemeinsam mit dem Begegnungszentrum des Frankfurter Verbands und einer ortsansässigen Blumenhandlung eine Familien-Rallye im Stadtteil. Über verschiedene Stationen in verschiedenen Siedlungsteilen Praunheims konnten die Teilnehmenden Hinweise und Kinderüberraschungen finden, um am Ziel ein Blumengeschenk für den Garten oder die Fensterbank zu gewinnen. Etwa 20 Personen nahmen im Laufe der Osterferien teil und lernten den Stadtteil besser kennen. 2.3 20 Jahre Frankfurter Programm - Aktive Nachbarschaft Das Frankfurter Programm - Aktive Nachbarschaft, 2000 als innovatives sozialräumliches Projekt gestartet, hatte im Jahr 2020 20-jähriges Bestehen. Für das Jubiläumsjahr 2020 waren mehrere besondere Projekte, Aktionen und eine große Veranstaltung am Main für Bewohnerinnen und Bewohner der verschiedenen Quartiere geplant, um dieses entsprechend zu feiern und zu würdigen. Pandemiebedingt waren auch hier immer wieder Flexibilität und Anpassungen an die aktuelle Lage nötig und es konnten leider nicht alle Planungen umgesetzt werden. Insbesondere die Feier mit den Bewohnerinnen und Bewohnern aus den verschiedenen Stadtteilen musste aufgrund der Größe sowie den entsprechenden Corona-Einschränkungen ausfallen. Sie ist im Vorfeld des diesjährigen Nachbarschaftspreises im Palmengarten auf den Terrassen des Palmengartengesellschaftshauses geplant. Stattfinden konnte die Fotoausstellung im historischen Museum sowie die Präsentation des in diesem Rahmen erstellten Foto-Bildbandes. Und auch im Projekt "Baum und Bank" konnte zumindest mit dem Bau der Bänke gestartet werden. Es folgt die Darstellung der bereits stattgefundenen und/ oder laufenden sowie bevorstehenden Projekte und Feierlichkeiten. Plakataktion 20 Jahre Frankfurter Programm - Aktive Nachbarschaft Zur Einstimmung ins Jubiläumsjahr war eine Plakataktion geplant, auf der über die vielfältigen Aktionen informiert und zur Teilnahme aktiviert werden sollte. Abgebildet wurde eine fröhliche Dezernentin, die angesichts dieser Ereignisse Konfetti in die Luft warf. Wie bekannt ist, kam alles anders. Da es keine öffentlichen Termine gab, für die geworben werden konnte, blieben zwar die schönen Bilder, die Plakataktion konnte genutzt werden, um den vielen Engagierten im Frankfurter Programm - Aktive Nachbarschaft zu danken und auf zukünftige Veranstaltungen, insbesondere die verschobene Jubiläumsfeier im September 2021, hinzuweisen. Fotobuch und Ausstellung "In Frankfurter Gesellschaft" Das quartiersübergreifende Projekt "In Frankfurter Gesellschaft" wurde gemeinsam mit der Fotografin Anna Pekala und dem Fotografen Florian Albrecht-Schöck entwickelt und von 2013 bis 2019 in 18 Stadtteilen durchgeführt. Ziel war die lebendige Vielfalt der Frankfurter Stadtgesellschaft und besondere Momente aus den Stadtteilen abzubilden. Dabei wurden zwei unterschiedliche fotografische Positionen genutzt, die Innen- und Außenansichten der Stadtteile ermöglichten. Zum einen entstanden insgesamt circa 400 inszenierte Portraits von Bewohnerinnen und Bewohnern, die eine bunte lebendige Nachbarschaft sowie die unterschiedlichen und auch gemeinsamen Lebensrealitäten der Menschen zeigen. Zum anderen wurden 230 Innen- und Außenansichten der Quartiere fotografisch festgehalten, die neue Perspektiven auf die dargestellten Orte bieten. Kombiniert laden die beiden Perspektiven ein, sich näher mit der Stadt und ihren Bewohnerinnen und Bewohnern zu beschäftigen. Während des Projekts gab es in den Stadtteilen Ausstellungen, die gleichermaßen Begegnungsort und Plattform für Austausch über das Leben in den Quartieren bzw. Stadtteilen waren. Im Rahmen des Jubiläums wurden 210 der entstandenen Fotografien ausgewählt und 80 davon in einer Ausstellung im Historischen Museum gezeigt. Begleitend zur Ausstellung wurde ein Bildband erstellt. Dieser ist im September 2020 erschienen und kann zukünftig als Gastgeschenk genutzt oder im Historischen Museum Frankfurt erworben werden. Eine Auswahl der Fotografien ist seitdem dauerhaft im Historischen Museum Frankfurt in der Ausstellung "Frankfurt Jetzt!" zu sehen. Die im Museum gezeigte Ausstellung wird im Herbst in der Zentrale des Jugend- und Sozialamtes und anschließend in den Sozialrathäusern gezeigt. Zudem ist im nächsten Jahr eine Ausstellung in der Partnerstadt Krakau geplant. Baum und Bank Die Stadt wächst stetig und immer mehr Menschen nutzen den öffentlichen Raum. Damit steigt auch der Bedarf an Begegnungs- und Aufenthaltsorten. Gerade die Coronazeit hat gezeigt wie wertvoll Frei- und Grünflächen und öffentliche Räume sind, wenn man nicht mehr verreisen kann oder in beengten Wohnverhältnissen lebt. Mit dem Projekt "Baum und Bank", einer Kooperation mit dem Umwelt- und Grünflächenamt sowie dem Verein Umweltlernen, wurde die Idee verfolgt, neue Begegnungsorte in den Quartieren zu schaffen. Wie der Projektname schon sagt, ging es darum, gemeinsam Bänke zu bauen und Bäume zu pflanzen oder zumindest zu planen, wo ein Baum durch das Grünflächenamt gepflanzt wird und welche Art von Sitzgelegenheit gebaut werden soll. Hier stand der Künstler Marco Poblete den Bewohnerinnen und Bewohnern mit Rat und Tat zur Seite und entwickelte mit ihnen gemeinsam Entwürfe, die er anschließend mit langlebigem Holz umsetzte. In der ersten Runde des Projekts waren die Quartiere in Rödelheim, im Gallus, in Unterliederbach und Griesheim beteiligt, wobei pandemiebedingt noch nicht alle Planungen umgesetzt werden konnten. Die Bänke für Griesheim und Rödelheim wurden bereits fertiggestellt, die Pflanzung der Bäume ist für Herbst 2021 vorgesehen. Für die Bäume können Baumpatenschaften übernommen werden, wodurch sich die Annahme der neuen Orte noch verbessern lässt. In Unterliederbach wo Baum und Bank mit einer kleinen Grün- und Spielfläche kombiniert werden sollen, befinden sich das ansässige Quartiersmanagement, Bewohnerinnen und Bewohner sowie der Künstler noch im Austausch. Im Gallus muss zunächst noch eine Entscheidung für den Standort getroffen werden. Hier gelten der Gleisfeld- oder Lotte-Specht-Park als potenzielle Standorte. Das nachhaltige Projekt soll auch in den kommenden Jahren weitergeführt werden, sodass in möglichst vielen Stadteilen Bänke unter Bäumen als neue Lieblingsorte der Bewohnerinnen und Bewohner entdeckt werden können. Damit die neuen Begegnungsorte auch für Unbeteiligte nicht unentdeckt bleiben, ist demnächst eine stadtweite Plakataktion geplant. Feier 20 Jahre Frankfurter Programm - Aktive Nachbarschaft im September 2021 "Gefeiert wird im nächsten Jahr" stand notgedrungen im letzten Jahr auf den Jubiläumsplakaten der Aktiven Nachbarschaft, die eigentlich als Ankündigung für das geplante Fest dienen sollten. Wie so vieles musste auch sie abgesagt werden, insbesondere auch, da das Jubiläum mit möglichst vielen Menschen aus den verschieden Quartieren begangen werden sollte. In diesem Jahr, am 10. September, wird nun das 21-jährige Jubiläum im Palmengarten gefeiert. Neben Ständen der verschiedenen Träger und Informationen zum Programm Aktive Nachbarschaft wird es natürlich auch kulinarische Angebote und die Gelegenheit zum Anstoßen und Austausch geben. 3 Nachbarschaftspreis Verleihung des Nachbarschaftspreises 2019 der Stadt Frankfurt am Main Gerade das vergangene Jahr 2020 hat deutlich gemacht, wie wichtig Begegnung, Austausch, Miteinander und Solidarität für eine (Stadt-)Gesellschaft sind - jedoch nicht nur zu Krisenzeiten. Der Nachbarschaftspreis honoriert seit nunmehr 20 Jahren bürgerschaftliches Engagement. Pandemiebedingt konnte die Feier im letzten Jahr nicht wie gewohnt stattfinden. Die übliche Großveranstaltung mit bis zu 350 Gästen im Palmengartengesellschaftshaus musste zunächst immer wieder verschoben und letztendlich abgesagt werden. Das fiel allen Beteiligten schwer, da gerade die feierliche Verleihung der Preise und das Essen in festlichem Rahmen die besondere Wertschätzung und den Dank an die vielen engagierten Ehrenamtlichen ausdrücken sollen. Selbst eine Verleihung der Preise im kleinen Kreis der Preisträgerinnen und Preisträger war dementsprechend nicht in Präsenz möglich. Stattdessen durften sich die Gewinnerinnen und Gewinner neben den Preisgeldern über große Überraschungspakete freuen, die zumindest eine Feier zu Hause ermöglichten. Insgesamt gingen 85 Bewerbungen ein - hier zeigt sich ein erneuter Anstieg im Vergleich zu den beiden Vorjahren mit 78 und 80 Bewerbungen. Die vielfältigen Einsendungen verweisen zum einen auf die Relevanz sowie Breite ehrenamtlichen Engagements und zum anderen darauf, wie viele Bürgerinnen und Bürger sich erfolgreich für eine gelungene Nachbarschaft und die Förderung des Miteinanders in den Frankfurter Stadtteilen einsetzen. Da der Nachbarschaftspreis im vergangenen Jahr nicht wie gewohnt mit allen Bewerberinnen und Bewerbern im Palmengartengesellschaftshaus gefeiert werden konnte, wurde ein Teil des dafür eingesparten Etas direkt für die eingesandten Projekte zur Verfügung gestellt. Die Bewerberinnen und Bewerber hatten die Möglichkeit eine Projektprämie für nachbarschaftliches Engagement in Höhe von bis zu 250,- € pro Projekt zu beantragen. Ausgeschlossen waren lediglich Geldpreisträgerinnen und -träger aus den Jahren 2018 und 2019, bereits abgeschlossene Projekte sowie Projekte von Einzelpersonen. Wenn auch ein schwacher Trost für die ausgefallene Großveranstaltung, konnten so zumindest 15 Projekte mit jeweils 250,- € zusätzlich gefördert werden. Hauptpreise 2019 Die Hauptpreise waren mit jeweils 1.000,- € dotiert. In der Kategorie "Nachbarn für Nachbarn" wurde das Preungesheimer Projekt "Ein Platz für Kinder und Familien" geehrt. Drei Bewohnerinnen haben es sich seit 2018 zur Aufgabe gemacht den Rollispielplatz der Karl-Kirchner-Siedlung attraktiver zu machen und geben etwa wöchentlich Spielzeug an Kinder aus oder veranstalteten ein nachbarschaftliches Sommerfest sowie einen Flohmarkt, um die Vernetzung und das Miteinander vor Ort zu stärken. In der Kategorie "Chancen im Quartier" gewann die Bewegungsbaustelle Fechenheim. Kinder zwischen sechs Monaten und acht Jahren können sich altersübergreifend und unter Begleitung zweier qualifizierter Kursleitungen auf einer flexiblen Bewegungslandschaft austoben und auch die Eltern erhalten neue Impulse für die Bewegung der Kinder. Dabei handelt es sich um eine Kooperation zwischen Müttern, dem Sportkreis Frankfurt e.V. sowie dem Quartiersmanagement Fechenheim. Das BusStop - Theater gegen Rassismus wurde in der Kategorie "Kultur vor Ort" geehrt. Die Höchster Gruppe nutzt Mittel des Theaters, um Offenheit zu fördern und auf Themen wie Rassismus aufmerksam zu machen. Die Handysprechstunde im Aglapesion Oberin Martha Keller wurde in der Kategorie "Jung und Alt" ausgezeichnet. Im Projekt treffen Jugendliche des Jugendzentrums "basement 26" auf ältere Menschen aus dem Quartier Mühlberg und stehen bei Fragen rund um Handys und Tablets mit Rat und Tat zur Verfügung. In der Kategorie "Schöner-Bunter-Nachhaltiger" konnte sich das Team Tortuga aus Eschersheim freuen. Mit Urban Gardening, einer Möglichkeit zur Abholung von Gemüse einer Solidarischen Landwirtschaftsgenossenschaft sowie nachbarschaftlichen Aktionen und Veranstaltungen trägt der Gemeinschaftsgarten zu mehr Miteinander rund um den Wasserturm bei. Anerkennungspreise 2019 Neben den Hauptpreisen wurden auch insgesamt 10 Projekte mit einem Anerkennungspreis bedacht. In der Kategorie "Nachbarn für Nachbarn" ging der Preis an Hamidul Khan für sein langjähriges und vielfältiges Engagement sowie an Anni Noe im Bereich der Nachbarschaftshilfe. Der Riedberger-SV wurde für den Einsatz im Projekt Turnhalle mit neuem Leben und den damit verbundenen Erhalt der Turnhalle in der Kategorie "Chancen im Quartier" ausgezeichnet. In dieser Kategorie gewann ebenso Nordis Bienenkiste. Das Projekt ermöglicht KiTa-Kindern das praktische Lernen über das Bienenjahr an einem Bienenkasten. In der Kategorie "Kultur vor Ort" konnten sich Folk for Benefiz aus Sossenheim sowie die Kinder-Mitmach-Konzerte in der Orangerie über den Gewinn freuen. In der Kategorie "Jung und Alt" fiel die Wahl auf das generationsübergreifende Projekt Hand in Hand mit diversen und ganzjährig stattfindenden Treffen und Aktionen für Kinder und ältere Menschen in Nieder-Eschbach sowie das Projekt Verkehrslotsen, welches sich für mehr Sicherheit auf dem Schulweg der Kinder der Valentin-Senger-Schule eingesetzt hat. Das Mehrgenerationen-Projekt Kunst trifft Natur wurde in der Kategorie "Schöner-Bunter-Nachhaltiger" für die Verbindung der künstlerischen Gestaltung eines Wandbildes sowie die Bepflanzung eines Beets ausgezeichnet. Ebenso in dieser Kategorie geehrt, wurden die Gemüseheldinnen und -helden Frankfurt, die sich durch die Implementation von Mitmachgärten für einen guten und nachhaltigen Sozialraum einsetzen. Die Verleihung des nächsten Nachbarschaftspreises ist für den 10.09.2021 im Gesellschaftshaus des Palmengartens geplant. 4 Ausblick Die Pandemie ist noch nicht vorbei, aber es ist bereits jetzt klar, dass wir noch lange mit ihren Folgen umgehen müssen und weiterhin ein Ziel des Frankfurter Programms sein wird, die gesellschaftliche Teilhabe der Menschen in den Quartieren zu sichern. Hinzu kommt in noch höherem Maße die Förderung von sozialer Resilienz, die Reduzierung sozialer Ungleichheit und die Stärkung von zivilgesellschaftlichem Engagement, auch um auf künftige Krisen noch besser vorbereitet zu sein. Die Pandemie hat sehr deutlich gemacht, was es braucht, um schnell und effektiv auf neue unbekannte Herausforderungen zu reagieren: Kooperation, die auf gewachsenen Beziehungen beruht, Gemeinsinn als Haltung sowie tragfähige Netzwerkstrukturen. Diese Voraussetzungen erfüllt das Frankfurter Programm - Aktive Nachbarschaft in vorbildlicher Weise. Den folgenden Problemlagen und fehlenden Ressourcen, die sich in der Pandemie verstärkt zeigten oder durch sie deutlich sichtbarer wurden, konnte deshalb im Rahmen des QM durch schnelle Hilfe und Projekte zumindest entgegengewirkt werden: Vereinsamung und Rückzug insbesondere von älteren Menschen, aber auch von Kindern und Jugendlichen, Gesundheitliche Ungleichheit, Bildungsbenachteiligung insbesondere von armen Kindern und Jugendlichen, Digitalisierungslücken und beengte Wohnverhältnisse. Stellt man sich die Frage, was man aus der Pandemiezeit in Bezug auf die Quartiersarbeit lernen konnte, gerät sofort der öffentliche Raum und seine enorme Bedeutung in den Blick. Einerseits weil er als Fläche für ganz unterschiedliche Botschaften genutzt wurde, beispielsweise für Regenbogenbilder oder Sonnenblumen in den Fenstern, Plakaten an geschlossenen sozialen Einrichtungen ("Wir vermissen euch!") oder Geschenktüten an Bauzäunen. Andererseits, weil er als Ersatz für alle sonst genutzten Begegnungsräume, die aufgrund der Pandemie zu unsicheren Orten wurden, gebraucht wurde. Vieles war nur noch im öffentlichen Raum möglich und dadurch auch sichtbarer. Hier liegt gegebenenfalls die Chance durch sichtbareres QM weitere Akteure zum Engagement zu gewinnen und noch niedrigschwelligere Angebote zu entwickeln. Schon zu Beginn der Pandemie zeigte sich hier bisher ungenutztes Engagement von jüngeren Menschen, die sich in Socialmedia-Gruppen zusammenschlossen, um ältere Menschen zu unterstützen. Leider wurden die Hilfsangebote nicht in erwarteter Weise angenommen, auch weil das Vertrauen der Älteren in bisher unbekannte Unterstützer fehlte. Es wurde deutlich wie wichtig die professionelle Begleitung von ehrenamtlichem Engagement ist, auch um durch eine begleitete Vermittlung den Hilfebedürftigen einen sicheren Rahmen bieten zu können. Durch die Gruppen ergaben sich jedoch neue Kontakte zu jüngeren Menschen im Quartier und die zukünftige Aufgabe deren Engagement auch außerhalb der Krise zu aktivieren und einzubinden. Durch Homeoffice oder Kurzarbeit waren in der Pandemiezeit wesentlich mehr Menschen dauerhaft zuhause und nutzten die wohnortnahen Frei- und Grünflächen. Das führte auch zu Nutzungskonflikten, da die unterschiedlichen Interessen und Anliegen von mehr Menschen aufeinandertrafen. Hier geht es auch um gegenseitige Akzeptanz und Toleranz gegenüber anderem Verhalten und Lebensentwürfen und die Anerkennung von Diversität als Ressource für die Stadtteile. Für das QM stellt sich hier weiterhin die Aufgabe in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Ämtern die Aufenthaltsqualität und die Begegnungsmöglichkeiten im öffentlichen Raum auszubauen und bei Nutzungskonflikten moderierend oder durch Mediationsprozesse zu unterstützen. Konflikte entstehen natürlich nicht nur im öffentlichen Raum, sondern auch in der direkten Nachbarschaft. Hier ist zukünftig mit der Mediationsstelle des AMKA wieder eine engere Zusammenarbeit geplant und die Ausbildung von Nachbarschaftskonfliktvermittlerinnen und -vermittlern. Gerade für zukünftige Herausforderungen der Stadtentwicklung wie den Umgang mit den Klimawandelfolgen und Themen wie soziale Gerechtigkeit, Umweltgerechtigkeit und Gesundheitsvorsorge, Integration und Segregation sind öffentliche Aushandlungsprozesse mit einer Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Verwaltung, Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und den Akteuren der Zivilgesellschaft notwendig. Umso besser, wenn demokratische Kommunikationsprozesse und die dafür erforderlichen Kompetenzen schon eingeübt wurden. In Hinblick auf eine nachhaltige Mobilitätsentwicklung, bei der ÖPNV und Radwege gefördert werden, könnten beispielweise Parkplätze und Autoverkehrsflächen zu Freiräumen für Begegnung und Bewegung umgewidmet werden. Auch Mehrfachnutzungen verschiedener Räume werden zukünftig noch wichtiger. Die Aktive Nachbarschaft ist bei städtischen Programmen wie dem Kleingartenentwicklungskonzept des Grünflächenamtes und dem Sportentwicklungsplan des Sportamtes Kooperationspartner. Das Kleingartenentwicklungskonzept fördert die Öffnung von Kleingärten für die Gesamtbevölkerung, um den Zugang zu weiteren Grünflächen zu ermöglichen. Mit den Quartieren Gallus und Unterliederbach und den dortigen Kleingärten ist bereits ein Pilotprojekt unter Beteiligung der Bevölkerung gestartet. Projekte wie der Strickweg im Gallus haben gezeigt, wie es gelingen kann auch Menschen in den Quartieren zu beteiligen, die vielleicht nicht mehr das Haus verlassen können oder in anderer Weise eingeschränkt sind. Hier gilt es in Zukunft noch genauer hinzuschauen und zu ermitteln was es braucht, damit noch mehr Bewohnerinnen und Bewohner partizipieren können. Auch Angebote im nahen Umfeld der Wohnungen, eigentlich aufgrund von Abstandsregelungen erdacht, bieten insbesondere Menschen mit Einschränkungen eine Teilnahmemöglichkeit über Balkon oder geöffnete Fenster. In diesem Kontext spielt natürlich auch weiterhin die Digitalisierung mit neuen Formaten der Teilhabe eine Rolle. Auch im Sinne der integrierten Stadtentwicklung, bei der die verschiedenen Fachbereiche in der Verwaltung zusammenarbeiten, erfüllt das QM eine wichtige Funktion als Koordinierungsstelle in den Stadtteilen mit direktem Kontakt zu Institutionen und Bürgerinnen und Bürgern. All das spricht dafür das Quartiersmanagement flächendeckend für die ganze Stadt auszubauen und damit dafür zu sorgen, dass diese gemeinsam sozial gerechter, robuster und anpassungsfähiger gegenüber zukünftiger Krisen gestaltet werden kann. Die Förderung der Zusammenarbeit und Kooperation der verschiedenen Akteure und Gruppen in den Quartieren bildet die Grundlage für gesellschaftliche Aushandlungsprozesse und demokratische Entscheidungen und zukünftige nachhaltige Transformationsprozesse. Nur wenn alle mitmachen können und in der Lage sich zu beteiligen, lässt sich die Stadtgesellschaft entsprechend den Bedarfen einer wachsenden Bevölkerung sozial gerechter und nachhaltiger, auch für künftige Generationen gestalten. Vertraulichkeit: Nein dazugehörende Vorlage: Anregung vom 13.06.2002, OA 870 Bericht des Magistrats vom 11.11.2019, B 404 Antrag vom 11.10.2021, OF 172/1 Anregung vom 26.10.2021, OA 89 Bericht des Magistrats vom 13.01.2023, B 21 Zuständige Ausschüsse: Ausschuss für Soziales und Gesundheit Beratung im Ortsbeirat: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11 Versandpaket: 11.08.2021 Beratungsergebnisse: 4. Sitzung des OBR 1 am 07.09.2021, TO I, TOP 73 Beschluss: Die Vorlage B 286 dient zur Kenntnis. Abstimmung: Einstimmige Annahme 4. Sitzung des OBR 6 am 07.09.2021, TO I, TOP 51 Beschluss: Die Vorlage B 286 wird bis zur nächsten turnusmäßigen Sitzung zurückgestellt. Abstimmung: Einstimmige Annahme 4. Sitzung des OBR 10 am 07.09.2021, TO II, TOP 39 Beschluss: Die Vorlage B 286 dient zur Kenntnis. Abstimmung: Einstimmige Annahme 4. Sitzung des OBR 7 am 07.09.2021, TO II, TOP 4 Beschluss: Die Vorlage B 286 dient zur Kenntnis. Abstimmung: Einstimmige Annahme 4. Sitzung des OBR 9 am 09.09.2021, TO II, TOP 9 Beschluss: Die Vorlage B 286 dient zur Kenntnis. Abstimmung: Einstimmige Annahme 4. Sitzung des OBR 3 am 09.09.2021, TO I, TOP 51 Beschluss: Die Vorlage B 286 wird bis zur nächsten turnusmäßigen Sitzung zurückgestellt. Abstimmung: Einstimmige Annahme 4. Sitzung des OBR 5 am 10.09.2021, TO I, TOP 59 Beschluss: Die Vorlage B 286 dient zur Kenntnis. Abstimmung: Einstimmige Annahme 4. Sitzung des OBR 11 am 13.09.2021, TO II, TOP 8 Beschluss: Die Vorlage B 286 dient zur Kenntnis. Abstimmung: Annahme bei Enthaltung BFF 4. Sitzung des OBR 2 am 13.09.2021, TO II, TOP 43 Beschluss: Die Vorlage B 286 dient zur Kenntnis. Abstimmung: Einstimmige Annahme 4. Sitzung des OBR 4 am 14.09.2021, TO II, TOP 31 Beschluss: Die Vorlage B 286 dient zur Kenntnis. Abstimmung: Einstimmige Annahme 4. Sitzung des OBR 8 am 16.09.2021, TO I, TOP 18 Beschluss: Die Vorlage B 286 dient zur Kenntnis. Abstimmung: Einstimmige Annahme 5. Sitzung des OBR 6 am 26.10.2021, TO I, TOP 12 Beschluss: Die Vorlage B 286 dient zur Kenntnis. Abstimmung: Einstimmige Annahme 2. Sitzung des Ausschusses für Soziales und Gesundheit am 28.10.2021, TO I, TOP 15 Beschluss: nicht auf TO Die Vorlage B 286 dient zur Kenntnis. (Ermächtigung gemäß § 12 GOS) Abstimmung: GRÜNE, CDU, SPD, LINKE., FDP, AfD, Volt und FRAKTION Sonstige Voten/Protokollerklärung: ÖkoLinX-ELF und BFF-BIG (= Kenntnis) 5. Sitzung des OBR 3 am 04.11.2021, TO I, TOP 25 Beschluss: Die Vorlage B 286 dient zur Kenntnis. Abstimmung: Einstimmige Annahme Beschlussausfertigung(en): § 716, 2. Sitzung des Ausschusses für Soziales und Gesundheit vom 28.10.2021 Aktenzeichen: 51
Endlich ein Quartiersmanagement für das Bahnhofsviertel
S A C H S T A N D : Antrag vom 11.10.2021, OF 172/1 Betreff: Endlich ein Quartiersmanagement für das Bahnhofsviertel Vorgang: B 286/21 Der Ortsbeirat möge gemäß §4 Absatz 10 GOOBR folgende Anregung an die Stadtverordnetenversammlung (OA) beschließen: Die Stadtverordnetenversammlung wird gebeten, den Magistrat aufzufordern, im Rahmen des Frankfurter Programms "Aktive Nachbarschaft" ein Quartiersmanagement im Bahnhofsviertel einzurichten nach den positiven Vorbildern im Gallus und im Gutleut. Dies wird bereits im jährlichen Bericht des Sozialdezernats (Magistratsvorlage B286) über das Projekt "Soziale Stadt Frankfurt am Main" als wünschenswert betrachtet. Begründung: Das Bahnhofsviertel erfüllt alle Voraussetzungen für die Einrichtung eines Quartiersmanagements. Es ist derzeit ein Ort, der für alle Akteure - Anwohnende, Gewerbetreibende, Sozialarbeitende, marginalisierte Gruppen - wenig positive Impulse ausstrahlt. Corona hat als "Brandbeschleuniger" gewirkt und das soziale Auseinanderdriften leider noch beschleunigt. Ein Quartiersmanagement leistet einen großen Beitrag zur sozialen Stadtteilentwicklung und fungiert vor nach dem Motto der aktiven Nachbarschaft "Alle können ihre Stadt gemeinsam gestalten" als niedrigschwellige Koordinierungs- und Begegnungsstätte aller Menschen im Viertel. Es ermöglicht den Austausch, das Entstehen von Netzwerken und allen Bewohner*innen werden Möglichkeiten der Partizipation, Zugehörigkeit und Inklusion eröffnet. Spannungen werden erkannt und entschärft, der Gemeinsinn und das gegenseitige Verständnis gestärkt. Es könnte ein Gemeinschaftsgefühl im Stadtteil entstehen und eine Stärkung der Eigeninitiative in Bezug auf eigene Bedarfe und Veränderungswünsche. Wir verweisen in diesem Zusammenhang auch auf den jährlichen Bericht des Sozialdezernats (Magistratsvorlage B286) über das Projekt "Soziale Stadt Frankfurt am Main", in der ein Quartiersmanagement für das Bahnhofsviertel als wünschenswert betrachtet wird. Antragsteller: GRÜNE Vertraulichkeit: Nein dazugehörende Vorlage: Bericht des Magistrats vom 02.08.2021, B 286 Beratung im Ortsbeirat: 1 Beratungsergebnisse: 5. Sitzung des OBR 1 am 26.10.2021, TO I, TOP 14 Beschluss: Anregung OA 89 2021 Die Vorlage OF 172/1 wird in der vorgelegten Fassung beschlossen. Abstimmung: GRÜNE, CDU, SPD, LINKE., Volt, ÖkoLinX-ARL und Die PARTEI gegen FDP und BFF (= Ablehnung)
Beratung im Ortsbeirat: 4
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